Aus Kundensicht ist der Verkäufer eine überflüssige Person. Bin ich Kunde oder Interessent, brauche ich niemanden mehr, der mich zum Kaufabschluss führt. In den 1990er Jahren wurden deshalb Verkäufer gerne als „Berater“ umetikettiert. Damit sollte eine Wertschöpfung suggeriert werden – eine „gratis On-Top Serviceleistung“. Diesem Beschiss ging sehr bald niemand mehr auf dem Leim. Vielmehr ist dadurch der Titel „Berater“ nachhaltig verbrannt worden.
Weder im RetailWechseln wir die Szene vom Direktvertrieb zum stationären Einzelhandel. Hier kommt der Kunde noch zum „Verkäufer“ und nicht umgekehrt. Aber gibt es dort noch echte Verkäufer? An der Käsetheke bei Kaiser‘s wird nicht verkauft sondern Käse abgewogen. Bei H&M haben die Mitarbeiter im Wesentlichen die Funktion, anprobierte Klamotten wieder zusammengefaltet an ihren Platz zurückzulegen. Die Einführung der Selbstbedienung hat bis auf wenige Ausnahmen Beratungs- oder gar Verkaufsgespräche aus dem Einzelhandel verschwinden lassen.
Noch OnlineWechseln wir wieder die Szene: Im Internet gibt es in normalen Shopsystemen keine Verkaufsargumentation. Statt der Beratung liefert die Crowd der Konsumenten Bewertungen und Empfehlungen. Nur in Randbereichen des Internet-Vertriebs führen Landingpages meterlange Verkaufsargumentationen. Und hier passiert das Gleiche wie in allen anderen Gewerben, die allein nur deshalb existieren, weil sie aktiv verkaufen. Hier erbringt ein Verkäufer ausschließlich aus Anbietersicht eine Wertschöpfung. Der Verkäufer besorgt dem Unternehmen Kunden, die es ohne ihn nie hätte. Aus Kundensicht jedoch erbringt der Verkäufer nicht nur keine, sondern sogar eine negative Wertschöpfung. Aus dessen Sicht muss er den Verkäufer mitbezahlen, obwohl er keinen Beitrag zur eigentlichen Leistung liefert.
Wieso schreibe ich so etwas?Ein schwelender Widerspruch sorgte in mir für ein seltsames Gefühl: Marketing-Enthusiasten sprechen unentwegt von der Kundenperspektive, die „man“ als Anbieter endlich annehmen muss. Verkaufs-Enthusiasten sprechen unentwegt davon, dass sie die einzigen sind, die ein Unternehmen überhaupt am Leben halten, weil nur sie den Umsatz bringen, indem sie Kunden gewinnen und zum Kauf führen.
Merkt Ihr, was da nicht stimmt? Falls nicht, lest den gesamten Text noch einmal von vorn.